Die Sage

Zwischen dem oberen und dem unteren Krautgarten, früher auch die oberen und unteren Schrendln genannt, lagen unterhalb der Furt durch den Rotfluß beim Pfarrdorf Bronnen die Wiesen des unteren Espachs. Da und in den beiden Krautgärten war es nicht ganz geheuer. Dort ging, wie die ältesten Bronner erzählen, seit unvordenklichen Zeiten das Schrendlweible um.
Es sei ein steinaltes, verhutzeltes, kleines, buckliges Weible gewesen, das verschlissene Kleider trug. Sie wissen das allerdings nur aus Erzählungen ihrer Vorfahren; gesehen hat es keiner. Wer nach dem Bettzeitläuten am Abend oder nächtens durch die Krautgärten oder den unteren Espach ging, begegnete unversehens dem Schrendlweible. Wie aus dem Boden geschossen, stand es urplötzlich vor ihm, glotzte ihn mit zergniffenen Augen an, verschwand dann mit kurzen Trippelschritten ebenso plötzlich in einem der Krautgärten und man hörte es von fern her noch lange laut lachen. Der Mann oder die Frau waren gebannt; sie konnten sich nicht mehr rühren. Beim ersten Glockenschlag in der Früh war die Macht des Schrendlweib’s gebrochen. Viele sind dann todmüde und übernächtigt nach Haus gekommen. Sie haben künftig bei Dunkelheit einen großen Bogen um die Kräutgärten und den unteren Espach gemacht.

Es wird dem Schrendlweible aber auch nachgesagt, es habe schon Armen in großer Not geholfen. Einst habe eine arme Frau in den Krautgärten erbärmlich geweint, weil die Ernte überaus schlecht war und sie nicht wusste, wie sie die Mäuler ihrer vielen Kinder stopfen könne. Da sah sie auf einmal einen Reisigkorb dastehen, den sie zuvor nicht bemerkt hatte, der voller braunem Laub war. Um das Wenige der Missernte mitzunehmen, schüttete sie das Laub aus und es klingelten blanke Goldstücke auf die Erde, so dass die arme Frau plötzlich reich war. Man glaubte, dass sie dies dem Schrendlweible zu verdanken habe. Andere Leute haben anderorts bei Bronnen, zum Beispiel auf dem Forren, unterhalb dem man uralte Gräber mit Waffen und reichem Schmuck fand, oder auf der Höhe, wo das untergegangene Dorf Ringelhausen gewesen sein soll, Häfen, Scherben und Schüsseln gefunden, die mit Laub, Würmern und Karotten gefüllt waren. Hätten sie diese Gefäße mitgenommen, wäre deren Inhalt vielleicht auch in Gold verwandelt worden.

Nachdem im Jahre 1911 die Furt über die Rot durch eine Brücke ersetzt worden war, erschien das Schrendlweible nur noch selten. Als dann auf dem oberen Krautgarten ein Fußballplatz angelegt wurde, bekam man es niemals mehr zu Gesicht. Wohin es verschwunden ist, wird ein Rätsel bleiben.

erzählt von Rolf Müller aus Laupheim